Dr. Daniel Zapf – Senior Associate, Litigation & Regulatory

Lange Zeit spielten wirtschaftsstrafrechtliche Sachverhalte nur eine untergeordnete Rolle. Dies hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Aufgrund rechtlicher und tatsächlicher Rahmenbedingungen erfolgt zunehmend eine Verfolgung von Wirtschaftsstraftaten und macht ebenso eine interne Aufklärung erforderlich. Strafrecht und Großkanzlei sind kein Widerspruch mehr und verbinden viele Vorteile des

 

Tätigkeiten für einen Anwalt im Wirtschaftsstrafrecht

Die Tätigkeitsfelder lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen. Ein Tätigkeitsfeld stellt die präventive Beratung von Unternehmen, z. B. bei der Implementierung von Compliance-Systemen sowie die strafrechtliche Risikobewertung von angedachten Geschäftsvorgängen, dar. Ebenso ist es Aufgabe des Anwalts im Bereich des Wirtschaftsstrafrechts, das Unternehmen zu beraten, wenn es von Dritten, z. B. Wettbewerbern, Kunden/Lieferanten oder eigenen Mitarbeitern, geschädigt wurde. Der Schwerpunkt der Tätigkeit umfasst jedoch die Unternehmensverteidigung bei dem Vorwurf von begangenen Pflichtverstößen. Kernbestandteil der anwaltlichen Tätigkeit ist dann eine umfassende Sachverhaltsermittlung und die rechtliche Bewertung der gewonnenen Erkenntnisse sowie Vertretung des Unternehmens gegenüber den Ermittlungsbehörden. Dabei ist oftmals auch – im Rahmen der rechtlichen Grenzen – eine Koordinierung mit den Verteidigern der betroffenen Mitarbeiter sinnvoll.

 

Mein Arbeitsalltag im Bereich Corporate Crime, Complianc and Investigations

Neben der präventiven Prüfung von beabsichtigten Vertragsabschlüssen gehört zu meinem Schwerpunkt die Beratung von Mandanten bei dem Verdacht von begangenen Pflichtverstößen durch Mitarbeiter zulasten von Dritten oder des Unternehmens.

Der grobe Ablauf einer internen Untersuchung stellt sich dabei wie folgt dar: Nach einiger Vorbereitungszeit kommt es in der Regel zu Mitarbeiterbefragungen und der Sicherung und Sichtung von (elektronischen) Dokumenten, bei der ich oftmals vor Ort bei dem betroffenen Unternehmen bin. Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse stellen wir in einem Ermittlungsbericht den Sachverhalt mit Belegen zusammen. Der zugrunde gelegte Sachverhalt wird sodann rechtlich bewertet (z. B. ob Korruptionsstraftaten vorliegen) und es werden Handlungsempfehlungen für die Mandantin (z. B. Offenlegung gegenüber den Behörden, Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen, Ergreifen von arbeitsrechtlichen Maßnahmen) erstellt. Gerade die Aufgabe, praktisch umsetzbare Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, stellt eine große Herausforderung dar, die ich sehr an meiner Tätigkeit schätze.

In der täglichen Praxis arbeite ich oft mit Kollegen aus anderen Bereichen, wie z. B. dem Arbeitsrecht, Kartellrecht, Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Datenschutzrecht, Bankrecht sowie mit unseren Zivilprozess-Anwälten zusammen, wobei unsere Praxisgruppe oft koordinierend tätig ist.

Trotz Videokonferenzen und Online-Plattformen bin ich regelmäßig unterwegs. Die Befragung von Mitarbeitern, Sichtung von Unterlagen, Besprechung mit der Staatsanwaltschaft sowie mit den Mandanten erfordern oftmals ein persönliches Treffen. Ich lerne dabei nicht nur viele verschiedene Sektoren, sondern auch die Unternehmen vor Ort kennen und erlebe, mit welchen praktischen Herausforderungen Unternehmen und deren Mitarbeiter konfrontiert sind. Dabei war ich schon seit Beginn meiner Tätigkeit als Anwalt fest in das Team integriert und hatte unmittelbar Kontakt mit den Mandanten. Daneben kommt es auch immer wieder zu spontanen Notfalleinsätzen, wie z. B. bei Durchsuchungen der Ermittlungsbehörden oder bei Industrieunfällen, bei denen es zu Sach- und/oder Personenschäden gekommen ist.

In einer Hauptverhandlung trete ich nur selten auf. Ziel meiner Tätigkeit ist es, mögliche Sanktionen gegen das Unternehmen bereits im Vorfeld zu regeln. Vor Gericht bin ich dennoch, z. B. als Zeugenbeistand und/oder als Prozessbeobachter. Auch trete ich gemeinsam mit den Kollegen aus dem Zivilrecht, z. B. bei Schadensersatzprozessen oder Kündigungsschutzverfahren, vor Gericht auf.

 

Was man mitbringen sollte?

Mittlerweile gibt es an vielen Universitäten bereits Schwerpunktbereiche zum Wirtschaftsstrafrecht, die einen guten Einblick in die Materie ermöglichen. Der Besuch einer dieser Schwerpunkte ist jedoch für die Tätigkeit nicht zwingend erforderlich. Man benötigt auf jeden Fall ein Interesse am Strafrecht und ein fundiertes wirtschaftliches Grundverständnis sowie – da das Wirtschaftsstrafrecht sowohl materiell-rechtlich oftmals akzessorisch ist und auch in der täglichen Arbeit viele Rechtsgebiete eine Rolle spielen – ein breites juristisches Verständnis und Interesse an anderen Rechtsgebieten. Hier braucht es eigenständig denkende und standhafte Juristen, die auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf behalten.

Gerade im Bereich des Wirtschaftsstrafrechts bietet sich in Großkanzleien für Interessierte die Möglichkeit eines Praktikums oder einer Stage im Referendariat an, da man bereits als Praktikant oder Referendar eine Vielzahl von Tätigkeiten übernehmen kann und so einen guten Einblick in die Praxis erhält.

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